Ein Interview mit dem Künstler Jan Helbig
(geführt von Anne Carina Schröder) 14.01.2009

Warum bist du Künstler geworden?
Tja, das bleibt eine spannende Frage, vielleicht bis zu meinem Lebensende unbeantwortet. Ein Grund mag in
meiner Biografie liegen. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem Lebensmodelle eher in Richtung totale
Absicherung gedacht und vorgeschlagen worden sind. Vielleicht habe ich mir unbewusst etwas gesucht, was
mit möglichst großer Unsicherheit zu tun hat. Die Unsicherheit kann ich jedenfalls bestätigen. In den
letzten 14 Jahren hat es immer große finanzielle Schwankungen gegeben.

Was reizt dich dann an dieser Unsicherheit?
Für mich steht im Wesentlichen der Aspekt im Vordergrund, die Unsicherheit des Seins zu benutzen,
um an Kanäle zu kommen, die Kreativität freilegen können. Ich glaube, Kreativität funktioniert besser,
wenn man in unvorhergesehenen Bahnen unterwegs ist. Ich bin zwar auf der Suche nach mehr Sicherheit,
allerdings möchte ich mir einen gewissen Unsicherheitsfaktor immer gerne erhalten. Das hat sehr viel
mit dem Künstler sein zu tun und vielleicht ist dies auch ein unbewusster Grund, warum ich Künstler geworden bin.

Hast du ein Ziel, auf das du hinaus arbeitest?
Ja. Ein Ziel ist auf jeden Fall, mit dem, was ich mache, noch besser finanziell zurechtzukommen.
Dieses ständige sich drum kümmern, wo in den nächsten Monaten das Geld herkommt, möchte ich in näherer
Zukunft doch verändert haben. Ein anderes Ziel ist, dass ich mit meiner Kunst lebendig bleiben möchte,
dass sich Dinge wieder verändern, dass es also eine Weiterentwicklung gibt und dass mit dieser
Weiterentwicklung über die Zeit auch so etwas wie eine öffentliche Resonanz entsteht, die noch
größer ist als bisher. In Klammern: Ruhm.

In welche Richtung soll diese künstlerische Weiterentwicklung gehen?
Ich kann nur sagen, dass mich all das langweilt, was sich zu sehr wiederholt. Wenn ich z. B. eine Zeit
lang mit einer bestimmten malerischen Ausdrucksform Landschaften gemalt oder mich mit Menschen beschäftigt
habe, so muss es irgendwann danach wieder etwas Neues geben. Diese neue Herangehensweise äußert sich
dann meist in einer neuen Malweise. Sicherlich werde ich mich nie ganz komplett neu erfinden. Man wird
immer bestimmte Bildelemente wieder finden. Aber ich glaube, dass ich mehr und mehr zu einer größeren
Entschiedenheit kommen werde und überflüssige Bildelemente weglasse.

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